Balkan-Rally 14 Tage - 17 Länder 06.07.13

Die Vorgeschichte: Winter 2009, draußen sinkt die Temperatur auf -4 Grad und wir sitzen bei ´ner dampfenden Tasse Lavazza-Kaffee. Es ist wie jedes Jahr an der mehr...

Tunesien

Kommt bald... Erste Info´s unter Reisetipps mehr...







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Balkan Rally Tag 7-8


Tag 7:    Kosovo, Prizren (8) – Albanien, Tushemis (9)     286 Km

Am nächsten Morgen starten wir früh die Motorräder und frühstücken an einem Lebensmittelladen am Straßenrand. Nicht zu übersehen sind hier die überall präsenten KFOR Truppen aus diversen Ländern Europas. Uns begegnen immer wieder große Kolonnen der Friedenssoldaten. Sie machen hier wohl noch immer einen ziemlich ernsten Job. Jedenfalls schließen wir das aus der schweren Bewaffnung der Panzerfahrzeuge und den Soldaten mit ihren Gefechtsmasken und den  Fingern an den Abzügen. Entspannt sieht anders aus.

Wir kommen an Grenze Nr. 12 und rollenmit Albanien auf Land Nr. 9 unserer Reise zu. Das Land ist etwas kleiner als Belgien und wir machen uns auf die Spuren von Gjergj Kastrioti. Er ist auch als Skanderbeg bekannt, dem Nationalhelden von Albanien, der das Land erfolgreich gegen die Osmanen verteidigt hat. Die erste Stadt heißt Kukes und wir erkundigen uns bei der Polizei nach dem Weg nach Peskopi. Erst später verstehen wir das Grinsen der Beamten. Die Straßen sind eine Katastrophe und auch der Reiseführer versprach für diese Etappe mehrere Stunden unvergessliche Augenblicke. Das waren keine Straßen, wir waren gewissermaßen offroad unterwegs…
Eigentlich sollte die Qualität der Straßen nicht verwundern, wenn man weiß, dass es der Bevölkerung erst im Jahre 1991 erlaubt war ein Auto zu besitzen. Unvorstellbar, dass man in Albanien erst seit 20 Jahren ein Auto lenken darf. Hoch oben in den albanischen Bergen kommen wir an einer Schule vorbei. Die Kinder scheinen gerade Pause zu haben, als sie die Motoren der 2Ventiler hören und auf die Straße laufen. Sie freuen sich uns zu sehen und es dauert nur einen kleinen Augenblick bis wir umzingelt sind. Für einen Moment kommen wir uns vor wie in Schwarzafrika. Hier sind wir von der Situation überrascht, ebenso wie der Lehrer der uns herzlich begrüßt. Ein jugendlicher Pausenclown macht faxen und bekommt kurzer Hand vom Lehrer eine geknallt. Wir staunen nicht schlecht und denken mit Grausen an die Zukunft. Wird sich dieser Lehrer in 10 oder 20 Jahren auch dafür verantworten müssen, wie zurzeit bei uns? Mit einem leichten Grinsen im Gesicht verabschieden wir uns. Es folgt ein Offroadtraum vom Feinsten nur gestoppt durch Pummels plötzlichen Kennzeichenverlust. Dies finden wir zum Glück rasch wieder, zu viele Grenzen wollen von uns noch passiert werden. In Peshkopi sind die Menschen sehr hilfsbereit und jemand bringt uns zu einer Schlosserei. Dort wird sofort alles stehen und liegen gelassen, um sich des Kennzeichenproblems anzunehmen. Nachdem das Blech wieder da hängt, wo es hingehört, will man noch nicht mal Geld für die erbrachte Leistung. Da warne noch einmal einer vor dem gefährlichen Albanien…

Wegen des Zeitverlustes ändern wir unsere Route und verlassen Albanien an der Grenze Nr.13 und erreichen Land Nr. 10, Mazedonien. Bei der Ausreise brauchen wir nicht die im Reiseführer erwähnten 1 €/Tag zu zahlen und die Einreise nach Mazedonien verläuft reibungslos, auch wenn sich der Grenzer unsere Reisepässe bzw. die Stempel der einzelnen Länder ganz genau anschaut. Vor allem die fremd wirkenden Stempel aus Afrika und dem Nahen Osten haben es ihm angetan und er möchte gerne von uns wissen um welche Länder es sich handelt. Dann schüttelt er freundlich den Kopf und wünscht uns eine gute Reise. Noch einmal wechseln wir an diesem Tag das Land als wir an Grenze Nr.14 wieder nach Albanien einreisen. Heute ist Halbzeit unserer Rally und wir liegen wieder gut im Rennen. Am Abend erreichen wir den traumhaft gelegenen Ohridsee und ein sehr schönes Hotel. Frank nutz die Zeit hier an einem der ältesten Seen der Welt um einmal mehr ausführlich Tagebuch zu schreiben. Ja, der alte Herr vergisst sonst manches…

Auf der Terrasse, mit Blick auf den See und der berühmten Ohridseeforelle (nein, nicht im See, sondern in Weißwein und Kräutern), lassen wir den ersten Teil der Reise nochmal Revue passieren: 10 Länder, 14 Grenzen in 6 Tagen - nicht schlecht. Aus dem Hotelfernseher erfahren wir von starken Unruhen, Ausschreitungen und Toten  aus Griechenland, wo  sich das ganze Land in einem Generalstreik befindet und das öffentliche Leben still steht. Wir lassen uns den Spaß dadurch nicht verderben und bestellen noch ein paar Bier. Merke: Erst Wein, dann Bier, das rat ich Dir…

Am Abend fallen wir dann nur noch in unsere Betten.

 

 

 

Tag 8:    Albanien, Ohridsee (9) –Griechenland (11) -  Mazedonien, Delcevo (10)                437 Km
 

Am nächsten Morgen stehen wir mit unseren total verdreckten  Enduro Stiefeln in der Hotellobby auf hellem Marmor. Nachdem wir den Staub und Dreck von den Visieren gewischt und uns zwei Kaffee genehmigt haben, machen wir uns bei schönem Wetter auf die Socken. An Grenze Nr.15 angekommen müssen wir 2 € „Albaniengebühr“ pro Tag zahlen, warum auch immer. Bei der Einreise nach Mazedonien gibt uns der freundliche Zöllner Informationsmaterial über die Verkehrsbestimmungen im Land mit auf dem Weg. Etwa 3 Stunden später stehen wir an der Grenze Nr. 16 und bereiten uns  mit Griechenland auf Land Nr. 11 vor. Mit den Gedanken an die TV Nachrichten von gestern Abend, ist uns nicht ganz wohl. Trotzdem reisen wir vorbehaltslos in das am höchsten verschuldete Mitgliedsland der Europäischen Union ein. Was interessieren uns schließlich die Bürokraten von Brüssel.

Griechenland wird mit mehr als 75% Gebirgsanteils trotz seines maritimen Charakters als Bergeland eingestuft. Gerade richtig, für uns als Motorradreisende. Als es dann jedoch auch noch anfängt zu regnen und wir die Benzinpreise erspähen, hatten wir schon glücklichere Momente auf unserer Reise. Trotz allem lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und widmen uns den kulinarischen Genüssen des Landes in Form eines Griechischen Salates, viel gegrilltem Fleisch und Patates. Das es im Land des Tzazikis alles andere als zum besten steht, erfahren wir schon kurze Zeit später, als wir in eine Polizeikontrolle geraten. Etwa 10 schwerstbewaffnete Polizisten stehen am Straßenrand und fordern unsere Papiere. Ungehalten fragt uns der Kommandant mit Blick auf den Führerschein, ob wir die Merkel-Schlampe kennen würden. Wir sind über den rauen, ja äußerst unfreundlichen Ton sehr verwundert. Erst später erfahren wir, dass unsere Kanzlerin wegen des EURO-Debakels drastische Einsparungen von den Griechen gefordert hatte. Man rät uns schleunigst weiter zu fahren und so beschließen wir das Land der Götter auf dem schnellsten Weg wieder zu verlassen und reisen an Grenze Nr.17 wieder nach Mazedonien ein. Dieses Land lebt vorwiegend vom größten Direktinvestor, und dieser trägt den Namen Griechenland. Wir sind gespannt was uns hier erwartet. Kurze Zeit später fällt uns in Bogdana ein altes Feuerwehrauto mit der noch deutschen Aufschrift der Freiwilligen Feuerwehr aus Hilchenbach, dem Kreis Siegen Wittgenstein in Nordrhein Westfalen auf. Wir haben natürlich ein Foto gemacht und wollen später die FW anschreiben und ein Bild unserer Fundsache hinschicken. Die folgende Fahrt entlang der bulgarischen Grenze ist ein einzigartiger Motorradtraum; bester Asphalt führt durch die grüne Bergwelt - sensationell. Hin und wieder tauchen am Wegesrand ein paar orthodoxe Kirchen auf, sonst teilen wir uns die Natur mit ein paar halb wilden Schweinen, die wir eher auf Korsika vermutet hätten. Ein riesiges Mohnfeld tut sich vor uns auf, wie wir es noch nicht gesehen haben. Unglaubliches rot trifft unsere Augen. In Delcevo, nach einem Hotel suchend, fragt uns eine Frau auf Deutsch, ob sie uns behilflich sein könnte, schließlich habe sie über 30 Jahre in Deutschland gearbeitet. Mit ihrer Hilfe ist ein Hotel rasch gefunden. Schon beim ersten kühlen Bier ist der heutige Griechenland-Schock schnell verdrängt. Nach dem fünften die ganze EUROkrise…

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