Balkan-Rally 14 Tage - 17 Länder 06.07.13

Die Vorgeschichte: Winter 2009, draußen sinkt die Temperatur auf -4 Grad und wir sitzen bei ´ner dampfenden Tasse Lavazza-Kaffee. Es ist wie jedes Jahr an der mehr...

Tunesien

Kommt bald... Erste Info´s unter Reisetipps mehr...







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Balkan Rally Tag 9-10


Tag 9:    Mazedonien, Delcevo (10) – Bulgarien (12) - Serbien, Surdulica (13)      315 Km

McMotz: „Das Geschnarche meines besten Freundes raubt mir den letzten Schlaf. Ich frage mich warum er mir sowas antut, wenn er doch angeblich mein Freund ist? Der Lärmpegelmesser meines Handys zeigt mir 83dB, so viel wie ein moderner 2 Klang Tür Gong. Laut Wikipedia tragen 83dB bei langfristiger Einwirkung auf das menschliche Ohr zu irreparablen Gehörschäden bei.“

Pummel: „Welche verkorksten Gedankengänge muss man haben, wenn man sich ´ne Phon-Mess-App runterlädt, um seinem besten Freund sagen zu können, dass er laut atmet? Ich kann mich noch gut ans türkische Kackar-Gebirge erinnern, wo eben dieser Freund mich mitten in der Nacht geweckt hat, weil er steif und fest behauptete, das Wölfe um unser Zelt schlichen. Als ich nachsehen ging (Ich höre noch immer seine Worte: “Bitte sei vorsichtig und lass mich nicht alleine…“), fand ich nur eine Feldhamsterfamile beim Umzug in ein anderes Nest vor. War ich da etwa sauer?!“

Die Stimmung am nächsten Morgen ist dann auch nicht die Beste, als wir uns in der Hotellobby treffen. Der  eine in kompletten Motorradklamotten, der andere in Zivil. Nach einem wortlosen Frühstück starten wir durch eine wunderbare Natur mit Modelleisenbahncharakter. Zum Glück sind wir heute nicht allzu flott unterwegs und können gerade noch anhalten. Hat doch ein vor uns fahrender LKW den größten Teil seiner Ladung verloren - Glück gehabt! Bei Sasa passieren wir eine Bergbaumiene und fahren fortan im Stehen, offroad durch die wunderbare stille Bergwelt Mazedoniens. Noch lange hören wir die riesigen Lüftungspropeller die Frischluft in die Stollen leiten. Erschrockene Esel laufen vor uns weg, ihnen ist der Boxersound wohl nicht geheuer. Ganz im Gegenteil zu den Hunden. Sie  halten uns wahrscheinlich für eine Bedrohung oder zumindest für Eindringlinge. Uns jagend zeigen sie ihre langen spitzen Zähne mit denen wir trotz der dicken Enduro Stiefel keine Bekanntschaft machen möchten. Aus diesem Grund drehen wir mächtig am Gasgriff unserer BMWs und erreichen etwas später die ersten Restschneefelder. Links der Abgrund und eine Fahrspur mit maximal 30 cm breite, rechts Schnee ohne Ende – das wird knapp. Mit gezielten Gasstößen schaffen wir die Kühe über diese enge Passage. Mit etwas Glück, denn beim zweiten Mopped bricht nochmal ein Stück der Fahrspur ab. Doch irgendwann erreichen wir eine Stelle, an der es definitiv nicht weiter geht.  Zu schwer sind die alten 2Ventiler, als das wir sie über ein ca. 30 Meter langes und 1,5 Meter tiefes Schneefeld schaffen könnten. Mühsam wenden wir die Maschinen und und versuchen noch auf verschiedenen Wegen und Fahrspuren die Stelle zu umfahren. Aber es hilft nichts, wir drehen um. Logischerweise kommen wir wieder an die Stelle, an der es schon bei der Hinfahrt recht brenzlig gewesen ist. Diesmal gibt McMotz wohl zuwenig Gas: Die BMW gräbt sich an der Stelle ein, die auf dem Hinweg schon abgebrochen ist, ein und rutscht langsam den Abhang hinunter. Er springt ab und hat es nur dem Glück zu verdanken, dass die BMW sich mit Zylinderschutzbügel und Fussrasten am Hang eingräbt und liegen bleibt. Während einer das Motorrad sichert, packt der andere die Ortliebsäcke ab und bringt sie in Sicherheit. Uns  ist nicht wohl bei dem Ausgang dieses Abenteuers. Das Hinterrad hängt Talabwärts im losen Schneekiesmatsch, der Unterbodenschutz bis zum Kragen eingegraben. Schließlich schaffen wir es mit vereinten Kräften beide Motorräder auf das rettende andere Ufer zu bekommen. Im nächsten Bergdorf belohnen wir uns mit einer eiskalten Cola und spätestens da, ist auch die miese Stimmung, die seit dem Frühstück über uns schwebt, vergessen. Total verdreckt stehen wir am Nachmittag an Grenze Nr. 18, verlassen Mazedonien und erreichen mit Bulgarien Land Nr. 12 unserer Reise. Am Grenzübergang öffnen wir auf bulgarischer Seite zahlreiche Bürotüren. Eigentlich hatten wir nach so vielen gemeinsamen Grenzübertritten in aller Welt geglaubt, schon alles gesehen zu haben. Aber was wir dort erleben durften, war auch für uns alte Grenzgänger dann neu. Die Grenzbeamten sind sehr reserviert, als wir an der dritten Türe anklopfend einen USB Stick bekommen. Dieser Stick trägt nicht nur unsere streng geheimen persönlichen Daten, nein sondern auch zu unserer Heiterkeit bei. Das wiederum findet kein Verständnis bei den Beamten. Wir krümmen uns vor Lachen als wir den geheimen USB Stick drei Türen weiter wieder abgeben dürfen. Die folgende Fahrt, noch immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht, führt uns durch eine schöne Berglandschaft, wie wir sie hier nicht vermutet hätten. Vielleicht haben uns die Grenzbeamten auch nicht richtig verstanden, schließlich erfahren wir erst viel später, dass hier abweichend von der sonst üblichen europaweiten Konvention, das Kopfnicken als Verneinung, das Kopfschütteln als Bejahung gilt. Der Sage nach geht dies auf das Verhör eines Freiheitskämpfers zurück, der mit unter dem Kinn gehaltener Schwertspitze gefragt wurde, ob er am Leben bleiben wolle.

Wir erreichen Grenze Nr. 19 und bekommen an Türe Nr. 2 wieder einen USB Stick. Wir reißen uns diesmal zusammen und durchlaufen die Hürden der Bürokratie und gebe den Stick ein paar Türen später wieder ab. Der Grenzbeamte  auf der serbischen Seite (Land Nr. 13) ist uns mehr als unsympathisch. 18 Grenzen haben wir nun auf unserer Reise passiert, aber nicht einmal sind wir so lange unnötig hingehalten worden wie hier. Es dauert ewig bis uns die Beamten durchwinken, obwohl an diesem kleinen Grenzübergang praktisch kein Publikum vorbei kommt, aber das wird immer wieder vor uns abgefertigt. Mit dem letzten Tropfen Benzin erreichen wir Surdulica und wir beschließen nach der anstrengenden, wie vergeblichen Offroad-Bergetappe uns im Hotel „Serbia“ ein Zimmer zu nehmen. Schon der eklig orange abgewetzte Teppich an der Rezeption lässt böses erahnen. Wir wussten ja das  die serbische Bevölkerung  mit einem Durchschnittsalter von 40,7 Jahren zu den ältesten der Welt zählt  (rund 17,4 % der Bevölkerung sind älter als 65 Jahre),aber muss das auch für die Hotelbetten gelten? In diesem Hotel scheint die kommunistische Zeit stehen geblieben zu sein. Wenn wir es nicht besser wüssten, könnte man meinen, wir seien in einem Museum abgestiegen. Hier ist jeder Hotelgang gleich, jede Lampe, jeder Bodenbelag, jedes Bett, überall beschädigte Türrahmen und total abgewetzte Bodenbeläge und dazu noch die Farbauswahl…  Unglaublich. Wir sind die einzigen Gäste. Das fällt uns aber erst später im riesigen, mit kaltem Neonlicht beleuchteten Festsaal auf, in dem wir unser Abendessen serviert bekommen. Nach gegrillter, wahnsinnig fetter Wurst und in Fett schwimmenden Beilagen versuchen wir anschließend zu schlafen. Dabei kommen dabei zu der Erkenntnis, dass man einen Grillteller auf dem Balkan wohl doch nicht überall bedenkenlos bestellen sollte.

 

 

Tag 10:  Serbien, Surdulica  (13) – Rumänien, Mehadia (14)         406 Km

Mitten in der Nacht werden wir von Frauengekreische geweckt. Ein Blick aus dem undichten Fenster verrät, dass die benachbarte Disco zu Schluss macht und zahlreiche angetrunkene Jugendliche sich auf den Heimweg machen. Am nächsten Morgen das nächste Dilemma. Entgegen des großen Visa Aufklebers, der uns symbolisiert, dass man hier mit Plastikkarte zahlen könnte, kann man es hier jedoch nicht. Die Frau hinter der Sechziger-Jahre-Rezeption verlangt Bares, basta! McMotz bleibt bei den schon fertig gepackten Motorrädern, während sich Pummel zu Fuß auf die Suche nach einer Bank macht. Zum Glück ist heute kein Wochenende und wir können Landeswährung ziehen. Die Fahrt geht los und fordert unsere volle Aufmerksamkeit. Die Straßen in Serbien sind die schlechtesten, die uns während dieser Reise unter die Räder gekommen sind (abgesehen von Albanien, aber die waren ja ungeteert). Sie sind schmutzig, mit Feinstaub überzogen und zusammen mit der löchrigen Oberfläche sehr rutschig. Auch unser GPS Gerät kann hier mit den Straßen nix anfangen und so navigieren wir nach guter alter Sitte mit Landkarten. Die in kyrillischer Schrift verfassten Hinweisschilder helfen nur bedingt. In Bela Palanka kommen wir mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Er berichtet von 40 Jahren harter Arbeit in Deutschland, von einer guten Zeit, aber auch von der benachbarten Großstadt Nisch. Dort leben 300.000 Einwohner, von denen gerade einmal  5000 Arbeit hätten. Über 50% Arbeitslosigkeit gäbe es dort und vor allem die ungeliebten Romas seien allen ein Dorn im Auge. Warum, erklärt er jedoch nicht.

Am Nachmittag erreichen wir bei Mosna die Donau und machen gerade einen Foto Stopp, als zwei wild hupende, vollbesetzte Autos im Staub neben uns zum Stehen kommen. Zwei Männer steigen aus und kommen auf uns zu. Wir beäugen auf die PKWs aus denen uns unzählige weibliche dunkle  Augenpaare anstarren. Ihre Köpfe sind in feine Tücher gewickelt und wir schätzen die Herkunft irgendwo im tiefen Arabien. Freundlich fragen uns die Männer im feinsten Englisch, ob wir wüssten in welchem Land wir uns hier befänden? Sie hätten sich wohl verfahren. Verdutzt schauen wir, ob irgendwo eine versteckte Kamera platziert sein könnte. Aber nein, sie meinen es ernst. Wir klären die Männer mit einem Blick auf unsere Karte auf und sie bedanken sich, steigen in ihre Autos und verschwinden genauso hupend wie sie auch gekommen sind. Wir schmunzeln noch lange über diese seltsame Begegnung und machen uns auf den Weg zur Grenze Nr.20. Wieder stehen wir vor einem serbischen Grenzer und er steht seinem Kollegen bei  der Einreise in nichts nach. Nicht nur das auch er uns warten lässt, nein, er macht uns auch darauf aufmerksam, dass unsere grünen Versicherungskarten nicht gültig seien, weil Serbien ein neues Länderkürzel  (heute SRB und früher SCG)bekommen habe. Normalerweise hätte uns das bei der Einreise 110€ für eine sogenannte Grenzversicherung (gültig für 30 Tage) kosten müssen. Unser Einwand dass wir uns auf der AUSreise befinden, gelte nicht! Wir bedanken uns artig für die Info und um eine Ermahnung reicher nehmen wir die sehenswerte Brücke über die Donau unter die Räder und befinden uns mit Rumänien  in Land Nr.14 auf unserer Rally. Rumänien verfügt über die neuntgrößte Fläche und mit etwa 21 Millionen Einwohnern über die siebtgrößte Bevölkerung aller EU Staaten. Allein die Hauptstadt Bukarest mit knapp 2 Mio. Einwohnern zählt zur sechstgrößten Stadt der Europäischen Union. Direkt an der Europastraße 70 finden wir eine Herberge in Mehadia, wo wir uns das schon bekannte Ursus Bier schmecken lassen und rechtschaffend müde schlafen gehen.

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