Balkan-Rally 14 Tage - 17 Länder 06.07.13

Die Vorgeschichte: Winter 2009, draußen sinkt die Temperatur auf -4 Grad und wir sitzen bei ´ner dampfenden Tasse Lavazza-Kaffee. Es ist wie jedes Jahr an der mehr...

Tunesien

Kommt bald... Erste Info´s unter Reisetipps mehr...







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Romania 2


2.Mai  (Tag 5)    Medias (Rundfahrt)  148 km 

Sehr gut ausgeschlafen, zeigt uns am nächsten Morgen Herr Pfaff Jun. nach dem Frühstück das Kinderheim bis in den letzten Winkel. Er berichtet von den einzelnen Schicksalen der kleinen Menschen. Zum Beispiel eines fast 18jährigen Jungen. Er ist der letzte von 3 Geschwister–Waisenkindern die unter Ceausescu´s  Regime mit Absicht mit dem HIV-Virus infiziert wurden, weil es in diesem System einfach kein Platz für Sinti und Roma Waisenkinder gab. Wir beobachten den jungen Mann, wie er doch bei sommerlichen Temperaturen im dicken fellbesetzten Ledermantel warm verpackt herumgeht. Er dürfe sich nicht erkälten, zu schwach sei sein Immunsystem berichtet man uns.

Insgesamt leben dort etwa 65 Menschen aller altersklassen zusammen. Das heißt, das man den „Alten“ wieder eine Aufgabe gegeben hat, in dem sie sich mit um die Erziehung der „Jungen“ kümmern - und umgekehrt natürlich, das die „Jungen“ bei den täglich anfallenden Schwierigkeiten der „Alten“ diesen helfen. So sind innerhalb dieses Waisenhauses richtig gehende kleine Familien entstanden und alle leben in Frieden zusammen. Insgesamt sind wir über die Sauberkeit im Heim positiv überrascht.
 
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Am späten Vormittag starten wir mit unseren Motorrädern zu einer fast 150 km langen Rundreise. Unsere erste Station ist Sighisoara (Schäßburg). Hoch oben auf der Stadt und schon von weitem zu sehen thront der 64 Meter hohe Turm, der zugleich auch das Wahrzeichen der Stadt ist. Wir lassen es uns nicht nehmen, besteigen den Turm und werden mit einem tollen Ausblick über die Dächer von Sighisoara belohnt. Hier in dieser Stadt soll der berühmte Graf Dracula geboren sein, was angesichts der überall angebotenen  „Dracula Fan Artikel“ wohl auch nicht bestritten werden kann. Egal ob T-Shirts, Fahnen, Tassen überall ist Fürst Vlad Tepes, wie er richtig genannt wurde, präsent.

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Nach einem langen Spaziergang durch die Gassen von  Sighisoara belohnen wir uns mit einem dicken Eis. Die City braucht sich mit ihren modern gekleideten Menschen hinter keiner Stadt aus unseren Breitengraden zu verstecken.

Auf unserer Weiterfahrt durchreisen wir Apold und Agnita. Die Landwirtschaft erfolgt hier noch wie wir es aus Erzählungen unserer Vorfahren her kennen, wenn diese von vor dem  letzten Weltkrieg erzählen. Anstrengende Handarbeit, Pferde und Ochsen ziehen verschiedenste Gegenstände hinter sich her, befördern damit Personen oder bearbeiten die Felder mit ihrer trockenen Erde. Auffallend ist allerdings, das egal wo wir anhalten, die Menschen immer ein kleines Grinsen für uns übrig haben und glücklich zu sein scheinen.

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Auf unserer Weiterfahrt erreichen wir das nächste Weltkulturerbe der Unesco: Die alte Wehrkirche von Biertan (Bierthälm). Wir sind sofort begeistert. Diese Kirchenburgen sind das Markenzeichen Siebenbürgens, stammen aus dem 15 Jahrhundert und beeindrucken schon von weitem. Hier in Biertan umfassen gleich drei Wehrmauern die eigentliche Burg, welche zum Schutz der immer wieder angreifenden Tataren und Türken diente. Sämtlichen Bewohnern bot die Burg damals Schutz vor Angreifern und war mit allem gerüstet was die Dorfbewohner während einer solchen Belagerung benötigten.


 
Ein paar hundert Meter vor unserem Ziel entdecken wir einen Jugendlichen aus dem Kinderheim. Er läst sich nicht zweimal bitten und steigt sofort hinten auf, um den restlichen Weg nicht laufen zu müssen. Bei unserer Ankunft herrscht dann wieder große Aufregung bei den Kindern. Herr Pfaff fragt, ob wir den anderen Kindern nicht auch den Wunsch erfüllen könnten, einmal mit einem Motorrad fahren zu dürfen. Wir fahren danach mit jedem Kind mehrere Runden und werden diese glücklichen Kindergesichter noch lange in Erinnerung behalten. Anschließend verteilen wir Süßigkeiten und staunen mit den Kindern zusammen über die Lutscher, welche die Zungen der Kleinen in allen möglichen Farben verfärbten. Wir sind überrascht darüber, mit welch Kleinigkeiten wir die jungen Menschen hier glücklich machen konnten. Nach einem aufregenden Fußballspiel auf einer 1Mio. Löcher Wiese sind wir alle froh, einigermaßen heil davon gekommen zu sein. Spät am Abend und lange nach dem Abendessen kommt Herr Pfaff Jun. mit vier selbst gestanzten Dichtungen für eine undichte BMW-Ölkühlerleitung zurück. Nach zügigem Einbau und Warmlaufen lassen des Motors steht fest, das alles dicht ist, super.


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Wieder folgt ein Gespräch mit der Heimleitung Herrn Pfaff Jun. der uns von seiner Statur und auch sonst vom restlichen äußeren an einen der „Klitschko Brüder“ erinnert. Irgendwann spät in der Nacht suchen wir dann wieder unsere Betten auf.

 

3. Mai (Tag 6)    Medias – Sibiu    220 km 

Nach einer wirklich angenehmen Nacht, einem tollen Frühstück findet das Gespräch der Nacht seine Fortsetzung. Noch Tage könnten wir zuhören, wenn man interessante Dinge über den Kommunismus, den Sachsen aus Rumänien, der EU und Deutschland aus erster Hand erfährt. Nachdem noch eine passende Schraube für einen GS - Gepäckträger gefunden ist, verabschieden wir uns von allen und machen uns wieder auf den Weg.

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Bei der Ortsdurchfahrt von Mosna sind wir wieder in einer anderen, in einer mindestens 100 Jahre älteren Welt zurück versetzt. Nach Rosia erreichen wir Avrig, fahren an der Strasse 1 östlich bis zum Abzweig zur Strasse 7c der wir südlich folgen wollen. Aber dies soll alles nur ein Versuch bleiben: Die Restschneemengen sind so gewaltig, dass wir sie unmöglich überwinden können. Mehrere Meter hoch liegt hier noch der Schnee, so das wir gezwungen sind alle Pläne über den Haufen zu schmeißen, und nach Sibiu (Hermannstadt) zu fahren.

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Schnell ist eine Pension gefunden in der auch die Bikes sicher abgestellt sind. Nach einer erfrischenden Dusche und einem ersten Ursus Pilz, machen wir uns zu Fuß auf den Weg die Stadt zu erkunden. Überall wir gearbeitet und gewerkelt, was uns nicht weiter wundert, schließlich ist Sibiu nächstes Jahr Europäische Kulturhauptstadt. Ein Jahr lang zeigt dann die Stadt am Fluss Zibin mit einem bunten Kultur-Programm aus Musik, Theater, Literatur und Kunst wie ein harmonisches Miteinander unterschiedlicher ethnischer Gruppen möglich ist. Die Stadt wurde 1150 von deutschen Siedlern gegründet und wuchs im 14. Jahrhundert trotz ewiger Bedrohung und Zerstörung durch die Türken, Österreicher und Tataren zu einem großen Handelszentrum. Heute sind noch etwa 2000 der 170.000 Einwohner Deutsche. Doch wird das Erbe auch von der rumänischen Bevölkerung weitergeführt. Überall in der Stadt sind noch heute die zweisprachigen Straßenschilder und Haustafeln zu sehen. Wir haben leider nicht die Zeit um uns alle Sehenswürdigkeiten der Stadt an zu schauen, aber das vom Scheinwerferlicht erleuchtete Rathaus mit seinem großen Vorplatz und Springbrunnen ist schon sehr sehenswert. In einem Gewölbekeller Restaurant (s. Tipps) mit hausgemachter Live-Musik essen wir hervorragend und erleben einen Abend ganz nach unserem Geschmack.

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4. Mai  (Tag 7)  Sibiu – Scarisoara  420 km 


Irgendwann, weit nach Mitternacht gehen wir Ursus geschwächt  schlafen. Mit großem Entsetzten stellen wir am nächsten Morgen fest, dass wir am morgigen Abend an der Landesgrenze sein wollen, um über Land den Heimweg an zu treten.

Ein letztes Mal tauschen wir ein paar Euros gegen den Rumänischen Lei. Wir bestaunen die Verkehrsampeln: Sie zeigen nicht nur die einzelnen Lichtzeichen, sondern auch die restlichen Sekunden der einzelnen Lichtphasen. Dies ist  praktisch, wenn man weiß, dass man beispielsweise noch 37 Sekunden warten muss, bis es grün wird. Dann lohnt es sich noch die Motoren abzustellen. Wir verlassen Sibiu südlich und gondeln mit unseren Motorrädern durch eine traumhafte Gebirgslandschaft, biegen in Brezoi rechts ab und genießen die Fahrt durch Petrosani und Baru nach Hateg.

So begeistert wir von der nun zurückliegenden Natur auch waren, desto erschrockener sind wir über den Gestank der Erde  und über die kilometerlangen Industrieruinen von Calan.

In Deva tanken wir auf und fahren die Hauptstraße nördlich nach Brad und Vascau. Kurz darauf fahren wir noch einmal in östlicher Richtung  zu den bereits besuchten Eishöhlen von Scarisoara. Wieder lassen wir den Staub auf der 18 km langen Piste ordentlich fliegen, bevor wir in der „Familiepension Scarisoara“ ankommen. Gleich nach unserer Ankunft fahren wir mit den beiden Kindern der Wirtsleute auf unseren Motorrädern unzählige Runden auf der Hauseigenen riesigen Wiese. Der Herbergsvater „Dino“ erklärt uns, das seine Frau z. Zt. im Krankenhaus wäre, er uns also nur bescheiden bekochen könne. Seine freundliche Art begeistert uns vom ersten Augenblick und nur wenig später lassen wir uns die erste selbst gemachte Nudelsuppe schmecken. Dann folgt eine Hausmacher Wurst, Kartoffelpüree und selbst gebackenes Brot. Wir sind satt und restlos begeistert. Es scheint so, als könne Dino Gedanken lesen, steht er doch keine 20 Minuten später total verschwitzt mit einem eisgekühlten Kasten „Ursus“ bei uns. Bevor wir aber das erste Bier aufmachen dürfen, müssen wir mit ihm und seinem selbst gebrannten Schnaps anstoßen, der einige von uns zum Husten bringt.
 
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5. Mai  (Tag 8) Scarisoara – Bors    318 km

 Gegen 1.00 Uhr sind gerade einmal zwei Flaschen Ursus Übrig, als wir unsere Betten (auf)suchen.

Am nächsten Morgen scheint bereits die Sonne, als wir gegen 7.45 Uhr aufstehen, was jedem aus gegebenem Anlass unterschiedlich schwer fiel. Wir nutzen das tolle Morgenlicht aus und machen Fotos von den teilweise über 100 Jahre alten Bauernhäusern. Einige der Bewohner schauen auch nicht viel jünger als ihre Häuser aus, aber wo wir auch hinkommen, alle sind freundlich.

Gegen 10.00 Uhr verabschieden wir uns von Dino nachdem wir für 4-mal Abendessen, 4-mal hervorragendes Frühstück incl. der Übernachtungen und der Ursusparty am Abend 68 € für uns alle Zusammen gezahlt haben und uns mit einer kleinen Geschichte im Gästebuch verewigt haben.

Wir fahren zunächst östlich nach Albac wo wir an einer alten deutschen Shell Zapfsäule - an der noch die DM- Skala vorhanden war - die Tanks unserer Motorräder füllen. Von hier geht es nördlich in die Berge wo jede Menge Restschnee auf uns wartet. Bis zum Mittag kämpfen wir uns am 1670 Meter hohen „Silha“ vorbei zum „Fantanele-See“ wo wir bei einer begeisternden Aussicht zu Mittag essen.

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Später erreichen wir bei Huedin die Europastrasse 60, welche wir schnell wieder verlassen und unzählige Dörfer in denen  die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, passieren.
 
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Am Abend erreichen wir im Regen die Grenze nach Ungarn. Zum Glück ist es der erste Niederschlag seit sieben Tagen. Wir entschließen uns in anbetracht des Wetters und der vorgerückten Stunde zwei Doppelzimmer einer Billighotelkette, wie sie auch hier bei uns bekannt sind, zu beziehen. Im nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer: zahlen wir doch hier für ein Doppelzimmer ohne Frühstück den gleichen Betrag wie bei Dino für uns  alle Zusammen. Dafür bekommen wir auch ein nüchternes, tristes, unpersönliches aber sauberes Zimmer.

Nach dem Abendessen (was auch nicht so der Knaller war) gehen wir alle gegen 23.00 Uhr schlafen und hoffen auf eine Wetterbesserung.


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