Balkan-Rally 14 Tage - 17 Länder 06.07.13

Die Vorgeschichte: Winter 2009, draußen sinkt die Temperatur auf -4 Grad und wir sitzen bei ´ner dampfenden Tasse Lavazza-Kaffee. Es ist wie jedes Jahr an der mehr...

Tunesien

Kommt bald... Erste Info´s unter Reisetipps mehr...







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Syrien 2


Wir ignorieren den 4 km langen LKW Stau und fahren langsam links an den meist schlafenden Fahrern vorbei und erreichen „Bab al Hawa“, den Grenzposten zu Syrien. 25 Minuten später sind wir völlig problemlos aus der Türkei ausgereist und stehen jetzt dem selbst ernannten syrischen Grenzmanager gegenüber. Wir verneinen die Frage nach dem „Carnet de Passage“ und er meint nur „No Problem“, macht sich mit 4 Dollar von uns auf den Weg, um kurze Zeit später wieder zu kehren und uns zu bitten ihm zu folgen. Eine Grenztour durch unzählige Büros beginnt und wir lassen ihn nicht mehr aus den Augen, zumal er sich jetzt im Besitz unserer Reisepässe mit den Visa befindet. Letztlich geht alles gut. Pro Person zahlen wir die üblichen 80 Euro für eine Haftpflichtversicherung und weitere 20 Euro für das so genannte „Triptik“, den zollfreien einmaligen Eintritt nach Syrien. Der  Zollmanager bekommt von uns für seine hilfreiche Dienstleistung 10 Dollar und ca. 90 Minuten später sind wir in der arabischen Republik Syrien.

Auch auf der anderen Seite der Grenze warten hunderte von LKW Fahrern auf ihre Abfertigung, während sie uns im vorbeifahren mit einem freundlichen „Wellkomm, wie gäht´s“ begrüßen. Die nächste positive Entdeckung ist dann der Benzinpreis: Überall im Land kostet der Liter Verbrennungsflüssigkeit umgerechnet 42 Eurocent und wir füllen unsere großen Tanks mit Freude randvoll.
 

Unser erstes Ziel ist das Simeonskloster Es gilt als eine der bedeutendsten Ruinenstätten des Landes und war das Ziel vieler Pilgerfahrten vom 5. bis zum 10. Jh. Wir bestaunen in einem langen Rundgang diese alten, gewaltigen Gemäuer. Hier werden wir uns zum ersten Mal bewusst, auf welch geschichtsträchtigem Boden wir uns befinden. Beeindruckt schlendern wir zu unseren, vom Aufsichtspersonal gut bewachten, Motorrädern zurück.
 

Im Reiseführer haben wir gelesen, dass man im nahe gelegenen Cafe unbedingt Rast machen solle. Leider ist das Cafe zurzeit geschlossen und wird nur noch von zwei jungen Männern bewacht. Mit Händen und Füssen beantworten wir ihre Fragen nach dem woher und wohin. Es kommen wohl auch nicht so viele Ausländer in kompletter Rallyemontur die steile Auffahrt hochgefahren. Jedenfalls werden wir zum Bleiben aufgefordert und unseren Tee bekommen wir auch. Später genießen wir im Schatten der Pinienbäume einen hervorragenden Tee im bei einer noch schöneren Aussicht und uns wird klar, warum die Erbauer diesen Standort ausgesucht haben. Und vielleicht das Beste daran: Wir hatten den Platz ganz allein für uns…
 

Am Nachmittag erreichen wir unser erstes großes Etappenziel: Aleppo - die größte Stadt Syriens. Bis zum Jahr 1869, der Eröffnung des Suez Kanals, galt Aleppo wegen seiner strategisch wichtigen Lage als Kreuzungspunkt der Handelswege von Mekka, Kairo und Istanbul.
Es war auch schon frühzeitlich als Karawanenhandelsstadt der Indien-Europa Strecke und auch als Umschlagsplatz der alten Seidenstrasse vom Mittelmeer nach China bekannt.

Sofort zieht uns die alte Stadt in ihren Bann. Egal wo wir kurz mit unseren schwer bepackten Motorrädern anhalten, sofort springt man aus noch fahrenden Autos, um mit uns ins Gespräch zu kommen oder einfach nur um uns Hilfe anzubieten. Unglaublich, sogar ein Schulbus hält auf einer vierspurigen Straße neben uns und alle Kinder versuchen mit heraus gestreckten Hälsen mit uns zu reden. Ein Verkehrspolizist, der die Szene beobachtet, winkt den nachfolgenden Verkehr an dem Bus vorbei, als sei dies die normalste Sache der Welt.
Der Fahrer bemerkt Pummels mit Klebeband geflickte Sonnenbrille und will ihm unbedingt seine schenken. Wir lehnen jedoch freundlich ab.

Auf der Suche nach unserer Unterkunft lernen wir Mohamed und Thaer, seinen palästinensischen Freund kennen, die uns den Weg zu unserem gesuchten Hotel „Dar Halabia“ (s. Hoteltipp Syrien) zeigen wollen. Sie fahren mit ihrem Kleinwagen voraus durch den dichter werdenden Verkehr.

Kurze Zeit später lernen wir, was ein Verkehrschaos ist: Wir stecken mit unseren Moppeds inmitten einer wild hupenden und gestikulierenden Meute fest. Eine unglaublich hektische Atmosphäre umgibt uns; alte Männer in langen Gewändern und schwer bepackte verschleierte Frauen quetschen sich an den Autos vorbei. Eine Zeitlang bewegt sich nichts mehr, aber gehupt wird trotzdem, als könnte man den Stau dadurch auflösen. Irgendwann geht es dann doch stockend weiter. Mit viel Geduld weisen uns unsere Führer den Weg bis zum Eingang des Suqs – dem schlagenden Herzen der Stadt. Die Altstadtgassen im Bazar sind so eng, dass sie uns mit ihrem Kleinwagen nicht folgen können. Wir verabreden uns mit den beiden am Abend und verabschieden uns für den Moment. Unser Weg führt uns auf den Bikes mitten in die Medina durch den ältesten Teil des Suqs.

Er ist nicht vergleichbar mit denen unserer anderen Reisen. Hier ist der Alltag der Bevölkerung noch lebendig, da es so gut wie keine Urlauber gibt. In den Läden wird nicht, wie so oft, extra für den Tourismus angefertigter Nippes verkauft, sondern alle Arten von Waren des täglichen Bedarfs. Es ist der moslemische Sonntag und die schmalen Gassen sind zum Bersten voll. Wir sind froh über die grollende Geräuschkulisse der Boxer, so drängen sich die Menschen noch dichter zusammen und wir können vorsichtig passieren. Immer wieder werden wir mit einem freundlichen „Welcome to Syria!“ bedacht und unsere Blicke verfangen sich viel zu oft in den Auslagen der Stände. Unsere Konzentration sollte sich eher auf das geschäftige Gewimmel vor uns richten. Man versucht automatisch mit allen Sinnen diese dichte orientalische Atmosphäre in sich aufzunehmen wie ein trockener Schwamm. Wir werden noch mit ein paar Stufen im dem von abertausenden Füßen glatt geschliffenen Kopfsteinpflaster konfrontiert und quartieren uns schließlich im „Hotel de Charme“, wie es im Prospekt steht, ein.

Es ist ein historisches Stadthaus einer reichen Familie aus dem 18. Jahrhundert. Mehrere schön eingerichtete und sehr saubere Zimmer umgeben einen kühlen Innenhof. Dort treffen sich gegen Abend die Hotelgäste oder weichen auf die geräumige Dachterrasse aus. Nicht nur, dass man hier oben seinen Schlafsack ausbreiten kann, es sorgt auch immer eine leichte Brise für eine willkommene Abkühlung. Diese verschaffen wir uns erst mal mit einer dringend benötigten Dusche…


Beeindruckende Augenblicke erleben wir später am Abend, als uns Mohamed und Thaer, oder „Ti-Eytsch“ wie er von seinen Freunden genannt wird, zur großen Umayyaden-Moschee (al-dschami' al-kabir) fahren. Die beiden überreden uns, während des Gebetes das Innere der Moschee zu betreten. Nicht ohne Scheu ziehen wir also unsere Schuhe aus und versuchen uns so unauffällig, wie möglich zu verhalten. Wir lauschen gebannt dem Muezzin und den Worten des Iman. Unsere anfängliche Unsicherheit schwindet schnell und wir nehmen die fremdartige, aber freundliche Stimmung in uns auf. Nach dem Gebet verlassen wir beeindruckt im Strom der Gläubigen die schöne Gebetsstätte.

Etwas später stehen wir vor der berühmten Zitadelle von Aleppo, die königlich auf einem teilweise aufgeschütteten Hügel thront. Der aus glatt behauenen Steinen verkleidete kleine Berg mündet in mächtigen, von zahllosen Scheinwerfern angestrahlten, Außenmauern. Den heute trockenen, breiten Wassergraben überspannt ein wehrhaftes Viadukt das zum eigentlichen Eingang der Burg führt. Wir sind uns schnell einig: Hier kann man nur um Einlass bitten; ihn nicht einfordern.

Auf dem schönen Platz unterhalb der gewaltigen Burg beobachten wir das Treiben. Hier kommen die Menschen aller Gesellschaftsschichten zusammen, um den Abend zu genießen. Die Reichen setzen sich in die Cafes, die Armen sitzen mit ihren Tabak und bei mitgebrachten Getränken auf den Mauern und Bänken. Von allen Seiten versuchen wir die besten Fotos zu machen, jede Perspektive, jede Verschlusszeit wird versucht. So sind wir beide ziemlich überrascht, als uns zwei Männer mit einem freundlichen Lächeln Plastikbecher bringen. Darin eine braune Flüssigkeit, die wie Cola aussieht. Wir bedankten uns unsicher und „Ti-Eytsch“ erklärt uns, was es damit auf sich hat. Da die ärmeren Leute kein Geld für Cola haben, wird dieses Getränk „Erek sous“ selber gebraut. Vorsichtig probieren wir. Es ist unbeschreiblich: Zuerst schmeckt es wie schales Wasser, dann kommt ein Geschmack entfernt wie nach Lakritze -scharf und süß- von hinten nach vorne über die Zunge und verbleibt dort eine gute Weile. Tapfer trinken wir die Becher leer und bedanken uns überschwänglich, nur um keinen zweiten angeboten zu bekommen.

In einem Straßencafe sitzend haben wir die Gelegenheit den abendlichen Alltag zu verfolgen. Hier sitzen die Jungen wie die Alten, Frauen wie Männer alle zusammen. Es wird gegessen, etwas getrunken, viel geredet und man raucht in aller Seelenruhe seine Schischa.

„It´s soo nice“ es ist der Ausspruch von Thear als er an seiner Wasserpfeife zieht und er beschreibt die Szenerie treffend. Er ist es auch, der am späten Abend darauf besteht uns sein Zuhause zeigen zu dürfen. Wir kommen der Einladung nach und stehen schon kurze Zeit später seiner Mutter gegenüber, die uns zu frischem Orangensaft, heißem Mokka und selbst Gebackenem einlädt. Es scheint hier wohl das normalste der Welt, wenn der Sohnemann nachts um 01:30 Uhr mit zwei Wildfremden auftaucht.

Obwohl ein neuer Tag längst angebrochen ist, ist das Verkehrschaos bei unserer Rückfahrt nach der Verabschiedung von Thaer´s Mutter nicht kleiner geworden. Überall hupende Autos die keinen cm ihres Verkehrsraumes kampflos aufgeben. Bevor uns unsere Freunde am Hotel abliefern, fahren wir noch zum Hausberg von Aleppo, wo wir einen tollen Ausblick auf die Stadt mit ihren tausenden Lichtern haben. Mohamed erklärt uns, dass alle grünen Lichter eine Moschee kennzeichnen, und wieder staunen wir, denn es sind ziemlich viele.


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          Reiseverlauf

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