Balkan-Rally 14 Tage - 17 Länder 06.07.13

Die Vorgeschichte: Winter 2009, draußen sinkt die Temperatur auf -4 Grad und wir sitzen bei ´ner dampfenden Tasse Lavazza-Kaffee. Es ist wie jedes Jahr an der mehr...

Tunesien

Kommt bald... Erste Info´s unter Reisetipps mehr...







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Syrien 6

Wir verlassen das bewohnte Gebiet und schnell wird es wieder heiß. Mit Hilfe der schon zuhause eingegebenen GPS Punkte, schaffen wir es ohne Probleme das Wüstenschloss von „Qasr al Hair ash Sharqi“ zu finden. Wir umfahren die wehrhaften Lehmmauern und bleiben vor dem grandiosen Eingangstor der ältesten befestigten Anlage mit einem Kanalsystem stehen. Es lieferte schon in frühislamischer Zeit Wasser aus der 15 km entfernten Oase „At Taiba“. Der Anblick der Toranlage ist uns vertraut, haben wir doch die Nachbildung als Eingang ins Nationalmuseum von Damaskus gesehen.

Wir haben den Motor noch nicht abgestellt, als ein LKW rumpelnd und quietschend neben uns zum stehen kommt. Ein junger Syrer mit Wildwuchs im Gesicht springt mit einem breiten Grinsen aus dem fahrenden Haufen Schrott. Nach dem üblichen Gruß verlangt er von uns einen Eintritt für die Ruine. Wir steigen ab und erklären, dass wir gar nicht hineinwollen. Der nächste Versuch der Devisenbeschaffung lautet frei übersetzt auf „You can see it, you must pay for...“. Diesmal machten wir es den Arabern nach, grinsen und beharren darauf nichts zu verstehen. Nach einigen vergeblichen Versuchen, doch noch die örtliche Infrastruktur mit unseren Syrischen Pfund zu beleben, steigt der Mann in sein Gefährt und fährt holpernd zurück ins nahe gelegene Dorf.

Im kühlen Schatten der mächtigen Mauern erwacht der Benzinkocher mit scharfem Zischen wieder einmal zum Leben und nach ein paar Minuten brodelt frischer Bohnenkaffee in der Espressomaschine. Zusammen mit ein paar Müsliriegeln wird daraus unser frühes Mittagessen. Noch einmal kommt der Wächter des östlichen Wildschlosses um sich davon zu überzeugen, dass wir auch ja die Anlage nicht betreten haben. Wir wenden demonstrativ unsere Köpfe vom antiken Bauwerk ab und ernten dafür ein Lachen. Er winkt uns kurz zu und zieht sich endgültig ins Dorf zurück.

Wir ziehen die schweißnassen Jacken wieder an und füllen unsere Camelbaks mit Wasser aus der Ortlieb Wasserkatze nach. Hier gibt es Physik zum Anfassen gratis dazu: Schwarzer Wassersack und Energie in Form von Sonnenstrahlen ergeben leckeres Trinkwasser mit Badewannentemperatur. Einfach lecker! Würg…

Wir klettern auf die Maschinen und nehmen die schöne Piste unter die Gummihufe unserer Wüstenkühe. Rechts und links wachsen dicht an dicht wilde Myrrhesträucher. Jetzt wissen wir auch, wo die Heiligen Drei Könige das Zeugs herhaben.

Dann endlich folgt Dunehopping vom Feinsten. Vor unserer Abreise beschlossen wir, es diesmal in jedem Fall ruhig angehen zu lassen, da wir ja mit schwerem Gepäck mindestens 10.000km unterwegs sein würden.
Es ist wie mit den guten Vorsätzen zu Silvester, nur viel schneller. Auf dem ersten Hügel der Syrischen Wüste betrachten wir diese faszinierende Weite und ohne ein Zeichen des Anderen drehen wir fast zeitgleich an den Gasgriffen. Automatisch stellen wir uns auf die Fußrasten, um den Schwerpunkt der Maschinen nach unten und nach vorn zu bringen.
Einer nimmt die linke Spur, der andere bleibt auf der rechten - keine drei Minuten später überschreitet die Tachonadel zum ersten Mal die 100kmh Marke.

Wir scheuchen unsere betagten, aber offroad-erfahrenen Kühe auf zahlreiche Hügel, fahren mit beherzten Gasstößen auf der anderen Seite hinab, um unten auf ein weiteres Spurenbündel einzubiegen.
Genial, hier sind die Dunehopper Zuhause; nicht zuletzt, weil sich ein unbeschreibliches Glücksgefühl tief im Innern breit macht.

Auf einer der größten Anhöhen machen wir Rast. Nicht, weil sich Konditionsschwäche breit macht, sondern um die Eindrücke und die unbeschreibliche Stille inmitten dieser schönen Einöde in uns aufzusaugen. Wer weiß schon, wann wir wieder die Gelegenheit zu einer solchen Reise bekommen werden. Wir trösten uns mit einem inbrünstigen  Inshallah…“

Bei der Weiterfahrt brauchen wir nur alle paar Minuten auf den digitalen Kurs, den Mister Garmin, vorgibt, zu schauen und zeichnen unbekümmert immer neue Spuren in die Hammada. So geht es in einem fort, bis wir die Ruinen von Ar-Rusafa, deren Außenmauern schon von weitem zu erkennen sind, erreichen. Die Byzantiner nannten sie Sergiopolis, einst einer der großen Pilgerorte im Vorderen Orient, heute eine der eindrucksvollsten archäologischen Stätten Syriens. Der alte semitische Name Ar-Rusafa blieb jedoch bei den Arabern bis heute lebendig. Eine Besonderheit ist unter anderem die große Zisterne. Sie ist über 60 Meter lang und 20 Meter breit, so dass sie selbst in der größten Trockenzeit über 6000 Menschen mit Wasser versorgen konnte. Somit sind diese hier, zusammen mit denen von Istanbul, die größten des gesamten Orients.

Wir erreichen das größte stehende Gewässer des Landes, den Assad Stausee: nach der trockenen Hammada ein herrlicher Anblick! Ein großer, blau schimmernder Farbklecks, der sich in Richtung Horizont verliert. Der immer vorhandene Wind aus der Wüstensteppe bewegt kleine Wellen auf der Oberfläche und vereinzelte winzige Boote sind in der Ferne zu erkennen. Natürlich bleiben wir bei unserem kurzen Stopp nicht unentdeckt. Ein junger Syrer hält an und nach dem üblichen Frage-Antwortspiel empfiehlt er uns einen ruhigen Zeltplatz, den er von seinen Jagdausflügen her kennt. Wir danken ihm und fahren weiter. Nachdem wir die Polizeisperre auf der Staumauer passiert haben, dürfen wir unseren Weg nach Norden fortsetzen.

In der Nähe der Festung „Qal'at Jabar“ bauen wir direkt am schönen Kiesufer unsere Stoffbehausung auf.
Begleitet von den letzten wärmenden Strahlen eines Bilderbuch-Sonnenunterganges holen wir unser Abendessen hervor. Der Espressokocher wird routiniert befüllt und dem Benzinkocher übergeben. Wie schon auf unseren anderen Reisen macht sich eine erwartungsvolle Spannung breit, denn nach den Strapazen ist das Essen immer ein Höhepunkt des Tages.
Knäckebrot mit Erdnussbutter, Nudeln vegetarisch, Birnen-Kompott und abschließender Zitronenkuchen ist die Speisenfolge, die die Plastikwundertüte M.R.E. (Einmannpackung als Feldverpflegung der US- Streitkräfte) für uns bereithält. Als Zugabe finden sich noch Löffel, Getränkepulver, Instant-Kaffee mit Zucker und Creamer, Teebeutel und ein Minifläschchen Tabasco.

Wir haben uns wie immer für das amerikanische Pendant der „EPAs“ entschlossen, bei der man im Gegensatz zu unserer Deutschen wirklich nicht meckern kann. Während die Bundeswehr-Mahlzeit im heißen Wasserbad bzw. mit einem Kocher erhitzt werden muss, gibt es bei der amerikanischen Variante einen Cooker. Es ist eine einem Frühstücksbeutel ähnliche Konstruktion, die durch Zugabe von etwas Wasser und einer chemischen Reaktion die Mahlzeit erhitzt. Zumindest lauwarm.

Bestens gesättigt müssen wir den beiden Fischern, die uns spät am Abend einen Besuch abstatten und uns ihren fangfrischen Fisch anbieten, leider eine Absage erteilen.

Mit dem Anbruch des nächsten Tages ist ebenso unsere zweite Reisehalbzeit angebrochen. Auch aus diesem Grund soll es heute wieder zurück in die Türkei gehen, weil unser Entschluss durch Karl Mays „Wildes Kurdistan“ zu reisen, immer noch fest steht. Wir wollen in den Osten der Türkei, den Teil des riesigen Landes vor dem uns Osman so eindringlich gewarnt hatte. Auf dem Weg zur Grenze passieren wir unzählige, weitläufige Baumwoll- und Maisfelder. Überall binden Erntehelfer die Baumwolle zu Ballen und unterbrechen ihre mühselige Arbeit nur, um uns zuzuwinken. An unserem ausgewählten Grenzübergang „Tell Abyad / Akcakale“ müssen wir feststellen, dass unser Tagesziel diesmal nicht zu erreichen ist.
Schon die Mimik des syrischen Grenzbeamten lässt nichts Gutes erhoffen. Als Pummel mit ihm auf dem Gepäckträger des Zollmofas vom türkischen Grenzposten zurückkehrt, wird klar, dass wir hier das erste richtige Problem auf unserer Reise haben.

Die türkischen Grenzbeamten wollen uns nicht einreisen lassen!!!

Zum Glück haben die Syrer noch keine Ausreisestempel in unsere Einmal-Visa gedrückt. Wenn wir hier offiziell das Land verlassen hätten, wer weiß, welche Probleme wir DANN erst haben würden.

Es liegt augenscheinlich nicht an uns, sondern eher an der türkischen Windows Version: LKW, Reisebusse, PKW, Fahrräder, Personen und sogar Ziegenherden können ohne Probleme abgefertigt werden, aber eben keine bayrischen 2-Zylinder-Kühe, da der PC nun mal defekt sei.
Ob dem türkischen Grenzbeamten klar ist, dass wir jetzt mindestens 450 km zurück nach Westen und die Strecke in der Türkei auch wieder nach Osten fahren müssen, wissen wir nicht

Aber Fakt ist „IHR KUMMT HIER NET REIN!“

 „Der Weg ist das Ziel…“, hat mal ein schlauer Mensch behauptet und bevor wir eine lautstarke Diskussion an der türkischen Grenze anfangen, die wir wahrscheinlich nicht gewinnen werden, machen wir uns auf eben diesen Weg in Richtung Westen. Jetzt heißt es Kilometer machen.


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