Balkan-Rally 14 Tage - 17 Länder 06.07.13

Die Vorgeschichte: Winter 2009, draußen sinkt die Temperatur auf -4 Grad und wir sitzen bei ´ner dampfenden Tasse Lavazza-Kaffee. Es ist wie jedes Jahr an der mehr...

Tunesien

Kommt bald... Erste Info´s unter Reisetipps mehr...







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Syrien 7


Das Stempelklopfen des türkischen Zollbeamten sorgt für ein jähes Ende der Träumereien.

Bulgarien empfängt uns mit einem, für Motorräder kostenlosen, Desinfektionsbad durch das wir rollen müssen. Hurra, zum guten Schluss noch einmal das Gefühl einer Flussdurchquerung! Ob die EU-Kommissare im fernen Brüssel bedacht haben, dass geschätzte 3 Kg Lehm und Dreck unter unseren Stiefeln auch eine Infektionsgefahr darstellen könnten?

Kaum 15 Grad Außentemperatur lassen uns frösteln, da die Sahara-Anzüge hier nicht so ganz ihre Vorzüge ausspielen können. Tief hängende Wolken verwehren die Sicht auf die sicherlich schöne Umgebung und überziehen alles, auch die bescheiden gute Fahrbahnoberfläche, mit einem schmierigen Feuchtigkeitsfilm. Da gab es dann doch eine Schrecksekunde, als wir den Kadaver eines ausgewachsenen Dachses quer vor den Vorderreifen liegen hatten.
In Burgas erreichen wir wieder das Schwarze Meer und auch der Sonnenstrand von Nessebar macht seinem Namen an diesem Tag keine Ehre. Hier ist die Saison Mitte Oktober schon vorbei und die meisten Hotels haben ihre Angestellten schon nach Hause geschickt.

Im dichten Nebel und über weiterhin schmierig glatte Straßen, machen wir uns auf den Weg nach Rumänien. Die Grenze über der Donau passieren wir problemlos und rollen über die alte Eisenbrücke ohne die Motorräder zu stoppen. Später erreichen wir die südlich des östlichen Karpatenbogen gelegene Landeshauptstadt Bukarest mit ihren 2 Mio. Einwohnern. Hier ereigneten sich in den letzten 60 Jahren 4 schwere Erdbeben, bei dem zuletzt 1977 über 1500 Menschen den Tot fanden. Danach wurden über 20% der Innenstadt neu errichtet, und allein mit dem Bau des Parlamentspalasts waren damals 70.000 Arbeiter beschäftigt. Mit dem „Palast der 1000 Zimmer“ hat sich hier der Diktator Nicolae Ceausescu ein Denkmal gesetzt, aber für seine weitere Lebensplanung nicht gerade eine glückliche Hand bewiesen.

Bei einem abendlichen Spaziergang bewundern wir den „Palast des Volkes“ von außen und schießen ein paar Fotos, bevor es mit dem Taxi zum Hotel zurückgeht. Die beiden Boxer auf dem Gehsteig vor dem Hotel sind wohl auffällig, denn plötzlich hält eine 1100 GS mit deutschem Kennzeichen neben uns. Der Fahrer stellt sich als Torsten vor, kommt aus Offenbach am Main und hat etwas ungewöhnliches vor, wie wir finden. Er ist Koch und arbeitet als Souschef in einem gehobenen Restaurant an dem ersten Stern des Kocholymps. Echt schade, denken wir bei uns, dass wir schon gegessen haben und wünschen ihm alles Gute.

Der nächste Tag führt uns in die Karpaten. Auf unserer Rumänientour 2006 mussten wir die Überquerung des Höhenzuges abbrechen, da der Schnee wie eine weiße Wand die Weiterfahrt verhinderte. Die 2Ventiler befördern uns mit sonorem Grollen über eine wenig gute Straße hoch zum Pass auf über 2000 Meter. Auf den letzten 250 Höhenmetern haben wir durch Nebel nur Sichtweiten unter 15 Meter. Kurz vor dem Pass durchqueren wir einen schmalen unbeleuchteten Tunnel, der dazu noch leicht aufwärts führt. Im Stollen selbst geht die Sicht auf knapp 6 Meter zurück und durch den Auftrieb kriechen die dichten Nebelschwaden an uns vorbei, so langsam schleichen wir vorwärts. Ein seltsames Gefühl des Unwirklichen umgibt uns. Gut dass uns hier keiner entgegenkommt oder gar mit gespenstischer Fratze neben uns auftaucht.. Die Fahrerei über diesen Asphalt-Flickenteppich ist sehr anspruchsvoll bei Temperaturen, teilweise unter dem Gefrierpunkt. Weicheier wie wir sind, verzichten wir am Pass auf frisch gebrühten Kaffee.

Und doch erreichen wir wohlbehalten Europas Kulturhauptstadt 2007, Sibiu im Zentrum Siebenbürgens, bei vielen als Hermannstadt bekannt. Wieder nisten wir uns in der „Pension Hermannstadt
(s. Hoteltipps Rumänien) ein und genießen bei landestypischer Livemusik ein wunderbares Essen im Gewölbekeller des Restaurant „Crama Sibiu/Vechi“ (s. Restauranttipp Rumänien). Der anschließende nächtliche Verdauungsspaziergang durch das wunderschön beleuchtete Sibiu verhindert wahrscheinlich, dass wir platzen, so gut und reichlich haben wir dort getafelt. Eigentümlich wie verändert sich die Innenstadt nach nur 18 Monaten zeigt. Aus der Sicht des Touristen haben wir Angst, dass etwas von dem ursprünglichen „wilden Rumänien“ verloren geht, vor allem auf dem Land. Aber wir wissen auch, dass es für die Leute hier langsam Zeit wird, die strukturellen Probleme zu bewältigen.

Wir haben noch Zeit und beschließen auf Feld- Wiesen- und Schotterwegen nach Alba Julia weiterzufahren. Auf dem Weg durch die kleinen Dörfer staunen wir, wie einfühlsam und obendrein präzise mit Pferd und Pflugschar die Felder bestellt werden. Mensch und Tier scheinen durch die langen Zügel zu einer symbiotischen Einheit verbunden. „Gaul-by-wire“ sozusagen. Überall auf den Feldern heben sich die Arme zum Gruß und wenn es mit den Bauern oder Erntehelfern zum meist sehr einseitigen Gespräch kommt, beeilen wir uns ihnen unsere Anerkennung der schönen Umgebung mit einem „frumos“ zu zollen. Bei uns würde der Bauer wohl eher mit der Schrotflinte auf unsere Kühe schießen, wenn er uns auf seinen Feldern erwischen würde.

Wie schon im Jahr 2006, sind wir wieder in der Pension „Scarisoara“ (s. Rumänien Übernachtungstipp) zu Gast. Die Pension liegt in der Nähe einer sehenswerten Eishöhle und trotz der beschwerlichen Anfahrt, ist dies, nach unserer Meinung, ein absolutes Highlight in dieser Gegend. Nicht nur der Empfang durch die jungen Herbergseltern ist mehr als herzlich. Nachdem wir wieder mit den Kindern auf unseren Enduros eine Runde auf der riesigen hauseigenen Wiese gedreht haben, kommt es zu einem fest gefügtem Ritual rumänischer Bergbauern: Ein „lecker Schnaps“ als Begrüßung. Wer so ein Glas, Marke „Zahnputzbecher“, des doppelt gebrannten Tzuika intus hat, kann auch nur im Schiesser Feinripp und Socken zwei Tage in der Eishöhle ausharren!

Die Verständigung mit Dinu und Iuliana Pasca ist leider nur auf französisch möglich, haben sie doch viel wissenswertes aus der Region zu erzählen. Die beiden Kiddies bekommen einen großen Teil der übrig gebliebenen Süßigkeiten und wir ein Abendessen mit leckeren hausgemachten Spezialitäten. Einfache Zutaten, aber geschmacklich ein echtes Erlebnis. Sind wir einfach nur voll des Lobes oder die Lebensmittel in Deutschland schon so degeneriert?
Je später der Abend, desto voller die Gläser und je besser spricht Pummel französisch. Wir sagen artig gute Nacht, (einige Vokale werden aber ausgelassen) und fallen in die von Iuliana frisch bezogenen Betten.

Das Frühstück am nächsten Morgen lässt uns den Abschied schwer fallen. Frisch gebackenes Bauernbrot, selbst gemachte Marmelade, Honig, Eier und Butter, die noch nach Butter schmeckt. Wir müssen versprechen vorbeizukommen, wenn wir mal wieder in der Gegend sind, als wir auf die Boxer steigen, um die heute nassen und schmierigen Karrenwege talwärts zu nehmen.



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