Balkan-Rally 14 Tage - 17 Länder 06.07.13

Die Vorgeschichte: Winter 2009, draußen sinkt die Temperatur auf -4 Grad und wir sitzen bei ´ner dampfenden Tasse Lavazza-Kaffee. Es ist wie jedes Jahr an der mehr...

Tunesien

Kommt bald... Erste Info´s unter Reisetipps mehr...







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Türkei 4

Bei unserer Weiterfahrt ins Grenzgebiet zu Armenien erfreuen sich unsere verwöhnten Augen nochmals über eine bizarre Felslandschaft, die uns stark an Marokko erinnert. Wir bestaunen große Pferdeherden und stellen uns die Frage, ob es sich dabei um Wildpferde handeln könnte!? Beeindruckt fahren wir weiter durch eine fremdartige, schöne Landschaft, entlang der Grenze zu Armenien. Mittlerweile haben wir auch eine Schlüsselstelle unserer Reise erreicht. Denn bei der Planung mussten wir hier so spät im Jahr Temperaturen im zweistelligen Minusbereich einkalkulieren. Glücklicherweise kommen wir mit etwas dickerem Unterziehzeugs gut klar. In Ardahan, einer Kleinstadt im georgischen Grenzgebiet, suchen wir leider vergebens eine Schlafmöglichkeit, kaufen aber zur Sicherheit etwas frisches Brot. Wir verlassen die bislang guten Straßen und wollen wieder die größeren Verbindungswege außen vor lassen.

Kurz hinter Yalnizcan, auf dem Weg in die Berge, wird es Zeit sich um ein Biwak zu kümmern, da wir die nächsten zig Kilometer keine Stadt mehr durchqueren werden. Wir finden den schönsten Platz zum Wildcampen der ganzen Reise: In einem weitläufigen Tal, eingerahmt von Berghang und dicht bewaldetem Hügel, erstreckt sich eine leicht wellige Wiese. Um nicht belästigt zu werden, fahren wir die Enduros einige hundert Meter auf den Wald zu. Und jetzt wird’s richtig Kitschig: Ein träge dahin fließender, mäandrierender Bach, eingerahmt mit einem Spalier aus niedrigen Weiden, zwingt uns förmlich die Tuchvilla an seinem Ufer aufzustellen. Genau in einer Schleife aufgebaut, ist es von der Strasse aus nicht mehr zu sehen.
Die letzten beiden Packungen Feldverpflegungen sorgen noch einmal für schöne und vor allem sättigende Überraschungsmomente in der bemerkenswert kühlen Dämmerung. In der Nacht hören wir entferntes Geheule, wie von Wölfen, die es hier geben soll. Aber wir haben vollstes Vertrauen in die abschreckende Wirkung des vorherrschenden Mikroklimas im Innern unserer Endurostiefel. Wir sollten Recht behalten, denn es trauten sich noch nicht einmal Mücken ins Zelt…

Nach einem festlichen Frühstück mit dem letzten rohen Schinken aus Südtirol, gefunden per Zufall in der hintersten Winkel des Ortliebpacksackes, stellt Frank beim Verzurren des Gepäcks das zweite größere Problem unserer Reise fest: Der angeschraubte Heckrahmen seiner BMW ist auf einer Seite glatt durchgebrochen. Bei einem Tachostand von exakt 344.979 km sind wir uns einig, dass dies nach all den Strapazen passieren darf. Aber warum in Gottes Namen ausgerechnet hier? Wenn wir wieder zu Hause sind, wird erst mal ein Kulanzantrag gestellt!!!

Wir satteln also wieder ab und nach einer kurzen Beratung lösen wir das Problem fürs erste mit einem Schraubenzieher, Spanngurten, Kabelbindern und 2-Komponentenknetmasse.

Danach geht es mit größter Vorsicht noch etliche schöne Bergkilometer über schottrige Pisten des Kackar-Gebirges nach Ardanuc. Mit etwas Glück findet sich eine kleine Werkstatt, die sich scheinbar auf LKW-Reparaturen spezialisiert hat. Mangels Sprachkenntnisse führen wir dem herbeigerufenen Altmeister den defekten Rahmen kurzerhand vor. Drei Monteure und besagter Meister beginnen sofort mit der Reparatur. In der Garage nebenan bewundert Frank einen Mann, der mit weicher Lötflamme und sicherer Hand defekte Autokühler lötet. Keine 20 Minuten später ist zusammengewachsen, was zusammengehört. Sprich: Die Schweißarbeiten sind erfolgreich verlaufen und alles ist wieder zusammengebaut. Zu unserer größten Überraschung will man unter keinen Umständen Geld annehmen, sondern wünscht uns eine gute Weiterreise zur Schwarzmeerküste.

Gut 15 km vor der Küstenstadt Hopa, noch nahe der georgischen Grenze, überrascht uns auf 700 Meter Höhe der absolute Nebel mit Sichtweiten unter 20 Meter. Umso verblüffter sind wir, als die Reifen plötzlich auf einer perfekt ausgebauten, vierspurigen Küstenstrasse nach Rize, unserem geplanten Tagesetmal, rollen.

Wir lassen uns im „Okutur Otel“ (s. Türkei Hoteltipps) nieder und beschließen den Tag in einem Restaurant direkt am Meer. Eine typische Fastensuppe und eine große Platte fangfrischer Fisch beglücken unsere hungrigen Mägen, bevor wir ins Hotel zurückschlendern.

Am nächsten Tag beißen wir wieder einmal in den sauren Apfel und fahren tanken. Zwei mal 30 Liter Benzin für umgerechnet 1,67 Euro pro Volumeneinheit sind erst mal zu verdauen. Da ist der Liter Öl für 2,90 Euro ein echtes Sonderangebot. Trotz geringer allgemeiner Lebenshaltungskosten, leidet unsere Reisekasse an akuter Schwindsucht. Wir sind unserer Zeitplanung mehr als einen Tag voraus, so entscheiden wir uns, noch eine Runde durch die Berge zu drehen, um unsere Offroadleidenschaft zu befriedigen.
Das Schwarze Meer im Rücken, geht es zunächst auf ungewohnt guten Sträßchen südlich in die Berge. Fast überall hier in der Gegend liegen rechts und links zahlreiche Teeplantagen, um den fast unstillbaren Durst der türkischen Bevölkerung nach ihrem Cay zu stillen.

Wie bislang immer, haben wir auch heute wieder einmal Glück mit dem Wetter, obwohl die Region zu den regenreichsten des Landes zählt. Auf über 2640 Meter steigen hier, die nun nicht mehr asphaltierten, Straßen an, verwandeln sich klammheimlich, aber nicht unwillkommen in schmale Pisten. Wir finden einen kleinen Wasserfall und beschließen hier unsere Mittagsrast zu machen, um die Seele und die Beine baumeln zu lassen.
Zum ersten Mal sehen wir auf unserer Reise einen Regenbogen; nicht quer über den Himmel gezogen, sondern nicht weniger eindrucksvoll im Gischtschleier der Wasserkaskade. Er lässt das dahinter liegende Bergpanorama in einem unwirklichen Farbmuster erscheinen, wie durch eine Bleiverglasung. Aber wir müssen weiter, denn hier oben in den Bergen können wir nicht damit rechnen, auch überall einen Stellplatz für unser Zelt zu finden. Auf schwierigem Terrain und nunmehr übelster Pisten passiert dann, was passieren musste:  Franks grobstolliges Hinterrad macht laute Geräusche, denn es scheuert auf wundersame Weise am Heckkotflügel. Eigentlich möchten wir der Ursache hier oben gar nicht auf den Grund gehen, jedoch ist so an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Mit der Routine altgedienter Karawanenführer ist die weitgereiste Kuh schnell von der schweren Last befreit. Zwei Minuten später starren wir ungläubig auf die Ursache:
Der Heckrahmen ist erneut gebrochen. Diesmal jedoch beidseitig und, wahrscheinlich aus Sympathie, die Edelstahlhalterung des HPN-Endtopfes gleich mit.

Habt ihr auch schon auf Eurosport die Reparaturen der Rallyeteams während der Paris-Dakar bewundert? Und habt ihr auch, wie wir, den Akteuren Respekt gezollt vor dem Erfindungsreichtum, um das Etappenziel doch noch aus eigener Kraft zu erreichen? So ungefähr erging es uns. An dieser Situation ist nichts heroisch, es muss lediglich das Problem irgendwie beseitigt werden, da so schnell keine Hilfe zu erwarten ist.
Erst einmal alles an Werkzeug und Ersatzteilen raus, kurze Diskussionen, einige Machbarkeitsstudien und schließlich die ersten Lösungsansätze. Der Umsteckschraubendreher und eine lange Schraube werden in die gebrochenen Rohre des Heckträgers gesteckt um die Scherkräfte aufzunehmen. Die 2-Komponentenknetmasse sorgt für die Fixierung. Mit der bereits gesammelten Erfahrung spannen wir die Schadenstelle mit Spanngurten ab und benutzen den Griff des Schraubendrehers, um durch einen Knebel die Gurte knallhart durchzusetzen.

Das Gepäck wird zum größten Teil auf Pummels Maschine verzurrt und ab geht’s auf Probefahrt.

Am Abend, nach fast 400 km, erreichen wir so ohne weitere Probleme, wohlbehalten die große Küstenstadt Trabzon. Im Zentrum wollten wir eigentlich nur kurz anhalten, um den Reiseführer zu Rate zu ziehen. 10 Minuten später stehen wir mit türkischer Pizza in der linken und einem Becher Cola in der rechten Hand vor unseren verstaubten Moppeds und freuen uns über den unverhofften Snack. Eingeladen haben uns zwei junge Studenten die sichtlich Spaß daran haben uns auszufragen. Wir befolgen ihren Rat und beziehen das Billighotel „Evim“ (s. Türkei Hotel Tipps) für diese Nacht und verabreden uns am späten Abend zum Tee auf dem nahe gelegenen Platz. Es wurde noch ein netter ungezwungener Abend mit den beiden.

Ein Auspuffbauer ist unsere erste Anlaufadresse am nächsten Morgen. Dort lösen wir das komplette Heck vom Hauptrahmen und bauen den Unrat ab, der es zusammenhält. Mittels eines alten Karbid-Schweißgerätes und zwei massiven Eisenstangen, die in die Rahmenrohre geschoben und nun fest verschweißt werden, hält dieser Heckrahmen bis nach Hause. Soviel sei schon verraten.

Jedoch begehen wir einen blöden Fehler, indem Frank gegen den ersten Paragraphen des orientalischen Dienstleistungsgesetzes verstößt.  Er erkundigt sich nicht vorher nach dem Preis. Die Preisvorstellung des Meisters liegt zunächst bei akzeptablen 23 Euro. Da wir noch viele Dollar haben, möchten wir in US-Währung zahlen. Jetzt werden wir Zeuge, wie sich eine scheinbare Krise an den internationalen Aktienmärkten mit nicht nachvollziehbarer Geschwindigkeit auf die örtlichen Devisenbeschaffungskurse auswirkt: Der gute Mann möchte plötzlich energisch geforderte 100 US Dollar für seine Arbeit. 300 Euro beträgt der Durchschnittsverdienst eines Facharbeiters in dieser Gegend, für uns ist der Preis also nicht akzeptabel. Die Stimmung kippt und wird sehr aggressiv; die anfangs leisen und freundlichen Verhandlungen werden nun lautstark geführt, begleitet von zornigen Blicken und bedrohlichen Gesten.

Genauso unerwartet einigen sich die beiden Streithähne auf 40 Dollar und Frank wird von seinem Gegenüber nicht nur herzlich umarmt, sondern obendrein mit Bruderkuss in die erweiterte Familie aufgenommen. Zum Dank dafür, dass die Familie für die nächsten 14 Tage versorgt ist, muss der Lehrling noch Farbe kaufen gehen, da die Rahmenlackierung plötzlich auch noch im Preis drin ist.

Froh darüber, dass die gute alte BMW wieder reisefertig dasteht, machen wir uns kurz vor Mittag auf die gut ausgebaute Küstenstraße. In einem kleinen namenlosen Ort, kaufen wir uns leckeres, ofenfrisches Brot, natürlich nicht ohne auch hier eine Traube Menschen um uns zu scharen.
Ein paar Minuten später gibt der zuverlässige Benzinkocher wieder alles, um das Kaffeewasser in Rekordzeit zu erhitzen, denn wir sitzen auf der Strandmauer irgendwo am schwarzen Meer und genießen das noch warme Brot mit Nutella aus der Tube.

In Giresun verlassen wir die Küstenregion erneut und fahren wieder in die Berge, hinauf zum 2200 Meter hohen Egribel-Pass. War der motorisierte Aufstieg auf recht guten Straßen ohne nennenswerte Schwierigkeiten möglich, sind auf der anderen Seite der Bergkette die Fahrwege glitschig und spiegelglatt, denn scheinbar hat es kurz vorher noch heftig geregnet.
Dadurch schaffen wir es heute nicht mehr an die Schwarzmeerküste zurück und wir verbleiben die Nacht im „Belediye Oteli“ in Gölkoy (s. Hoteltipps Türkei). Das Zimmer liegt unter dem Dach, besticht durch einfachsten Standard und kostet dafür aber umgerechnet nur 11,50 Euro.

Wir stellen den Wecker auf 8:00 Uhr, da wir ein paar Kilometer machen wollen und nicht wissen, ob das Wetter mitspielt. Den Wecker haben wir nicht gebraucht, denn statt eines gesäuselten „Morning has broken…“-mp3-Klingeltones, bläst uns um Punkt 04:00 Uhr der Gesang des örtlichen Imams förmlich aus den Betten. Es ist, als stünden die Lautsprecher der nahen Moschee direkt neben unseren Schlafstätten. Mit Kopfkissen auf den Ohren warten wir auf das Ende des Gebetrufes, der Länge nach zu Urteilen kommen hier scheinbar nur wenige Gläubige in die Moschee.

Mit frisch gebackenem Fladenbrot im Tankrucksack machen wir uns an diesem Morgen wieder auf den Weg, das Schwarze Meer zu erreichen. Bei zunächst gutem Wetter und auch den dazu passenden Straßen, kommen wir der Küste näher. Dort folgen wir der meist gut ausgebauten Straße, die uns immer mit schönen Blicken auf das eigentlich blaue Meer oder die bisweilen schroffen Küstenlinie belohnt. Bis uns in Samsun der erste wirkliche Regen nach 8000 km auf unserer Tour einholt und wir die Regensachen hervor kramen müssen. Etwas deprimiert machen wir weiteren Boden gen Westen gut. Zum Abend hört es endlich auf zu regnen, aber dafür kommt die Dunkelheit viel früher, als von uns angenommen. Schlaglöcher, die so groß sind, dass man ganze Autos darin parken kann, wechseln sich mit streunenden Hundemeuten, rutschigem Splitt und sonstigen Überraschungen ab, auf die jeder Motorradfahrer verständlicherweise dankend verzichtet.

Wir sind froh als wir das Küstendorf Cide erreichen und uns der Besitzer des Yali Hotels, Herr Tugtepe, ( s. Türkei Hoteltipp) ein Doppelzimmer anbietet, zumal er uns noch gestenreich etwas von fangfrischem Fisch erklärt. Nach einer heißen Dusche lassen wir uns den nicht entgehen und sind rundum zufrieden. Wir schlafen dieses Mal, bis der Wecker uns mit liebreizendem Gebimmel weckt, waren wir doch weit genug von jedem Minarett entfernt.

Nach einem guten Frühstück, strahlt uns die Sonne an und wir zurück. Die Küstenstraße bietet immer wieder fantastische Ausblicke auf die tiefen Buchten unter uns. Dörfer mit ihren kleinen natürlichen Häfen, in denen Fischerboote die Netze zum trocknen über die Aufbauten gehängt haben wechseln mit felsigen Abschnitten ab.

20 Grad, Sonnenschein und mit bester Laune fahren wir mit einem unheimlichen Glücksgefühl im Bauch bis Amasra, wo wir uns vom Schwarzen Meer zunächst verabschieden müssen, da wir im ehemaligen Konstantinopel übernachten wollen.

Über 120 Grad Öltemperatur zeigt die Digitalanzeige an Franks BMW, als uns Europa mit einem Riesenstau in der 12 Mio. Stadt, Istanbul, empfängt. Wir gönnen uns und den Motorrädern eine kleine Auszeit, nehmen in aller Ruhe einen Tee am Straßenrand und beobachten das geschäftige Treiben.

50 Dollar für das Doppelzimmer ohne Frühstück verlangt man im nagelneuen Hotel Nayla (s. Türkei Hotel Tipp) und alleine daran merken wir sofort, dass wir zurück in Europa sind.

Am Abend nehmen wir ein Taxi und fahren zur „Heiligen Weisheit“, der Hagia Sophia. Noch heute gilt diese ehemalige Kirche vielen orthodoxen Christen als spezielles Heiligtum, gleichwohl sie nach der osmanischen Eroberung die Hauptmoschee der Osmanen wurde und heute als Museum dient. Der illuminierte Bau zieht uns in seinen Bann und als wir direkt gegenüber die Sultan Ahmet Moschee oder auch Blaue Moschee genannt, sehen, glauben wir uns endgültig in die Geschichten von 1000 und eine Nacht versetzt. Ob es an ihrer Einzigartigkeit mit ihren sechs Minaretten liegt, oder an der besonderen Stimmung, die rund um das fast 400 Jahre alte Bauwerk in der Luft liegt, wir wissen es nicht.

Knapp 9000 Reisekilometer stehen auf unseren Tachos, als wir am nächsten Tag unsere weitere Heimreise antreten. Auf dem 250 km langen ereignislosen Weg zur Bulgarischen Grenze hat jeder von uns Zeit seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Zeit um die getroffenen Personen, antiken Stätten, die besuchten Sehenswürdigkeiten und die damit verbundenen Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Wir sind uns einig, das es eine lange Zeit brauchen wird, um alle Eindrücke dieser Tour zu verarbeiten. Allein Syrien scheint schon jetzt eine Ewigkeit hinter uns zu liegen.



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