Balkan-Rally 14 Tage - 17 Länder 06.07.13

Die Vorgeschichte: Winter 2009, draußen sinkt die Temperatur auf -4 Grad und wir sitzen bei ´ner dampfenden Tasse Lavazza-Kaffee. Es ist wie jedes Jahr an der mehr...

Tunesien

Kommt bald... Erste Info´s unter Reisetipps mehr...







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Das Elefantentreffen im Bayrischen Wald

Alle Jahre wieder…

…erzähle ich mir auf der über 620 km langen Autobahnetappe vom Elefantentreffen nach Hause „…So, das war´s! Aus! Schluss! Vorbei! Das war das letzte Mal!!!“…

Wieder zuhause wird das Zelt zum auslüften und trocknen  im Garten aufgebaut, in der Hoffnung, dass das Wetter mitspielt. Als nächstes werden Schlafsack und sonstige Klamotten gewaschen  und der Dreibeingrill gesäubert, Axt und Beil geschärft und schließlich alles wieder gut weggepackt.

Spätestens im sommerlichen Familien-Strand-Urlaub kommt dann der erste Gedanke an das winterliche Elefantentreffen. Von diesem Zeitpunkt  an ertappt man sich immer häufiger, in immer kürzeren Abständen an das E.T. zu denken.

Auf den im November und Dezember statt findenden Weihnachtsmärkten stellt man sich auf die ersten Glühweinorgien ein und vergisst natürlich nicht eine Kiste guten Aldi-Christkindlglühwein -nur so zur Vorsicht versteht sich- in den eigenen Keller zu schaffen.

Dies ist im Übrigen auch der Zeitpunkt an dem die ganze Familie nach und nach fragt: „…und, fährst du wieder in den Bayrischen Wald zum zelten?“  und ich antworte: „Öh, weiß noch nicht so recht, kommt halt auf´s Wetter an!“

Mitte Januar, wenn die Weihnachtsbäume längst das Fliegen gelernt haben, vergeht kaum ein Tag, an dem nicht unter Wetter ´dot com` geschaut wird, wie denn die Schneelage im Landkreis Freyung aussieht.

Nach dem der Entschluss gefallen ist (und sich meine Frau darüber kaputt lacht und spitz bemerkt, dass sie das sowieso alles gewusst hätte),  mit den Mopeds mal wieder in den Schnee zu reisen, geht es an die Vorbereitungen.

 Mittwoch:
Am Vormittag geht es ans große Einkaufen. Dreimal Frühstück, Eier, Speck, Zwiebeln, Müsliriegel und Salamibeißer für zwischendurch und Grillzeug für 2 Abende sowie eine kräftige schon zuhause vorbereitete Gulaschsuppe wollen dann verstaut werden. Natürlich darf die Glühweinmischung (die Rede ist von sechs Liter Glühwein auf zwei Flaschen Amarretto) nicht fehlen.

Dann werden die Motorräder mit Zelt, Schlafsack, Isomatte, Falttisch, Stuhl, Schneeschaufel, Grill, Fotoausrüstung, Werkzeug, Axt, Beil, Säge, und persönliche Klamotten bepackt.

Die Probefahrt führt dann zur Tankstelle, wo logischerweise der Verbrennungssaft für die morgige Fahrt eingefüllt wird.

Zum Schluss wird das beste Motorrad von der ganzen Welt schwer bepackt in der Garage abgestellt.

 Donnerstag: (Abfahrt)
Die Nacht ist gewöhnlich sehr kurz. Um 4.00 Uhr steigen wir auf die in der Garage wartenden Motorräder und treffen uns knapp 60 Minuten später an der Autobahnraststätte an der A3 in der Nähe von Düsseldorf.

Wenn es das Wetter zulässt und der Verkehrsfunk keine Glatteiswarnung ausspricht, geht es mit 120 – 140 km/h  über die noch dunkle A3 Richtung Süden. Bei Fahrten um oder unter dem Gefrierpunkt  ist es im Dunkeln nicht ganz so angenehm. Des Öfteren werden kleine „Eisschollen“ überfahren, die immer wieder dafür sorgen, dass das Herz in die Hose rutscht. In der Regel erreichen wir nach 230 km die Raststätte „Weißkirchen“ hinter Frankfurt, wo viel heißer Kaffee und ein gutes Frühstück auf uns warten.

Auf der Weiterfahrt haben wir schon mehrfach nach weiteren 170 km an der Ausfahrt Nr.77 „Schlüsselfeld“ eine kurze Rast eingelegt und im neben der Tankstelle gelegenen Gasthof  (GPS: N 49° 44.777  O 10° 38.021-gemeint ist nicht das amerikanische Restaurant einer bekannten Fastfoodkette) eine Kleinigkeit zum Aufwärmen gegessen.

Von hier geht es weiter. Wir erreichen nach ca. 620 km die Ausfahrt 112 Iggensbach und verlassen die A3. Durch oftmals tolle Winterlandschaften geht es immer höher in die Berge rauf. Dabei passieren wir die Ortschaften  Riggerding, Zenting, Rettenbach und Solla zum Hexenkessel von Loh, das normalerweise gerade mal 45 Seelen zählt.

Hier hat, wie in jedem Jahr der BVDM  schon ganze Arbeit geleistet.

Der Kessel selbst wird im Sommer als Stock-Car-Rennstrecke genutzt und das rundum liegende Arial als Weidefläche für das gute Vieh (schon hier sei auf die Bitte hingewiesen, aus diesem Grund keine Glasscherben zu hinterlassen).

Das ganze Gelände ist von freiwilligen  Helfern des BVDM komplett eingezäunt, Strom, Wasser und Telefonleitungen verlegt und lange im Vorfeld wurden Gespräche mit der Feuerwehr, Polizei und der Gemeinde geführt.

Vorausgesetzt die Uhr zeigt nicht viel später als 15.00 Uhr  zahlen wir den verlangten Eintritt (BVDM Mitglieder ermäßigt!!!).

Ist es bereits später, so wissen wir aus Erfahrung, macht es wenig Spaß, das Zelt im Dunkeln aufzubauen und wir suchen uns einen in der Nähe gelegen Gasthof. Gute Erfahrung haben wir im Riggerdinger „Landgut Stetter“ gemacht.

Im Umland von Loh dreht sich jedes Jahr Ende Januar alles um das Elefantentreffen. Gasthäuser, Pensionen, Lebensmittelläden und Supermärkte sind auf den größten Ansturm des Jahres gut eingestellt. So sind beispielsweise viele Speisekarten in den Wirtshäusern ins Italienische übersetzt, auch weil die Elefantentreiber jenseits der Alpen diesen Trip oftmals mit einer ganzen Woche Urlaub im Bayrischen Wald verbinden. 

Zurück zum Eingang des Treffens. Für die Teilnehmer gibt es ein Band um das Handgelenk, welches das ganze Wochenende über den Helfern signalisiert, dass bereits bezahlt wurde. Wir erkunden zunächst zu Fuß das Gelände und suchen uns einen geeigneten Zeltplatz. Ist dieser gefunden, holen wir die Mopeds und beginnen (falls vorhanden) den Schnee wegzuschaufeln. Nach und nach fallen dann die Hüllen. Es ist anstrengend bis wir einen fast ebenerdigen Untergrund für die Zelte geschaffen haben. Nachdem diese dann endlich stehen, die Isomatten und die Schlafsäcke im Zeltinneren verstaut sind, begeben wir uns zu Fuß und mit Zurrgurten bewaffnet zum Eingang, um die ersten Bündel Feuerholz zu kaufen und zum Zeltplatz zurück zu schaffen. Der Länge nach werden die Holzstücke zersägt und gehackt. Es dauert nicht lange, bis die Sonne untergeht und uns das Feuer wärmt. Der Dreibeingrill ist schnell aufgebaut  und die ersten Steaks werden gegrillt, während die Glühweinmischung im Kessel vor sich hin köchelt und wir zum ersten Mal seit morgens um 3.30 Uhr zur Ruhe kommen.

Gleichwohl das Treffen erst offiziell am Freitag anfängt, sind schon jetzt am Donnerstag überall hunderte Lagerfeuer zu erkennen.

Gespräche mit anderen E.T. Teilnehmer nehmen ihren Lauf und der Tag endet mit einem Spaziergang durch den Kessel. Erschöpft und müde kriechen wir in unsere Schlafsäcke und schlafen bis zum nächsten Morgen.

 Freitag: 
Noch mollig warm im Schlafsack eingekuschelt ist es für mich jedes Mal der schwierigste Moment bei dieser Kälte aufzustehen -bei Zeltinnentemperaturen von mehreren Minusgraden eine echte Überwindung.

Mit etwas Glück ist noch eine Restglut vom gestrigen Lagerfeuer übrig geblieben und ein neues wärmendes Lagerfeuer wird entfacht. An einem der zwei möglichen Zapfstellen füllen wir einen 10 Liter Sack mit Trinkwasser ab und kochen uns erstmal einen richtig starken Kaffee, bereiten dann ein Rühreispeckzwiebelfrühstück zu, wie es nur auf dem Elefantentreffen schmeckt.

Beim folgenden ersten Rundgang bestaunen wir jedes Mal aufs Neue die Kennzeichen aus aller Herren Länder mit zum Teil individuellen Umbauten wie Schneeketten oder auch ausklappbaren Kufen. Auch wenn die Mehrzahl der Teilnehmer „ganz normale Motorradverrückte“ sind, gibt es doch viele „finster aussehende Typen“, aber so gut wie keine Auseinandersetzungen. Es wird ein friedliches Miteinander gefeiert, bei dem es zählt  Gespräche, Gastfreundschaft und Kameradschaft zu erleben.

Unten im Kessel gibt es den Treffpunkt des BVDM und aus den Lautsprechern ertönt die Stimme, dass die wenigen Verkaufsstände jetzt geöffnet haben, und die ersten Personensuchanfragen sind zu vernehmen.

Beim ersten Spaziergang trifft man alte Bekannte, staunt, quatscht oder guckt einfach nur. Viele Spanferkel und andere kulinarische Genüsse schmoren, braten und grillen auf den Lagerfeuern, die aber auch mit einsetzten der Dämmerung als Wärmespender genutzt werden. Dies ist auch der Zeitpunkt an dem die meisten Partys beginnen. Feuerwerksknaller, Mopeds ohne Auspuff und endloses Gegröle ist für viele die Schneeparty schlechthin. Die Mehrzahl der Teilnehmer sieht dies (zum Glück) anders. Versunken in 1000 Gedanken oder mit  guten Gesprächen vorm Lagerfeuer sitzend ist für sie das Elefantentreffen scheinbar ein anderes als für die „Krawallbrüder“. Irgendwann gegen 4.00 Uhr morgens kehrt dann meistens Ruhe ein, bis zum Sonnenaufgang … 

 Samstag: 
Viele Elefantentreiber nennen den Samstag einfach nur „Zootag“. Dann kommen bis zu 3000 Tagesgäste aus der gesamten Umgebung und bestaunen die „Verrückten  im Schnee“. Für den BVDM sind sie eine lohnende Einnahmequelle, für die Elefantentreiber sind die Zoobesucher oftmals sehr nervig und nicht gerne gesehen. Zum selben Zeitpunkt ist dann meist auch die lokale Presse vor Ort und berichtet meist sachlich über ein schönes Treffen, ganz im Gegenteil zu den privaten TV Sendern, die mit  Sensationsbildern über Alkoholtote und negativer Berichterstattung glänzen wollen. An diesem Tag finden auch die Wettbewerbe wie Holzsägen oder auch das Tauziehen statt. Die attraktivsten Motorradeigenbauten werden ebenso prämiert wie die weiteste Anfahrt, jüngster und ältester Teilnehmer und die schönste Eisskulptur. Die Imbisse auf dem Treffen  haben fast rund um die Uhr geöffnet und anders als früher sorgen heute über 20 Toiletten dafür, dass man seine Notdurft los werden kann - pingelig sollte man aber nicht sein.

Traditionell findet am Samstagabend der Fackelzug zur Katholischen Kirche statt, im Rahmen einer Messe wird den tödlich verunglückten Motorradfahrern gedacht.

 Sonntag: 
Der grosse Aufbruch.

Da nur drei kleine Sträßchen vom Hexenkessel wegführen, ist es in der Regel so, das je später die Abfahrt desto größer der Strom der Abreisenden ist, denn bis 13.00 Uhr müssen alle weg sein.

Spätestens auf der über 650 km lange Autobahnrückfahrt heißt es für mich dann  … „So, das war´s! Aus! Schluss! Vorbei! Das war das letzte Mal!!!“…… aber nur bis zum nächsten Familiestrandurlaub....

 

Wie alles begann:

 Im Jahr 1951 berichtete die Zeitschrift „Das Motorrad“  über das neue grüne Zündapp-Gespann KS 601 . Wegen seines enormen Durchzugs und Beschleunigung lautete damals die Überschrift zu dem Test : „Der grüne Elefant“.

 Ernst Leverkus(*), Redakteur beim gleichen Fachblatt gilt als Vater des Elefantentreffen weil er im Jahre 1956 zu einem Treffen mit eben diesen „Elefanten“ von denen es heute noch schätzungsweise ca. 1200 Stück gibt, zur Stuttgarter Rennstrecke Solitude einlud. Es ist die Zeit der Kleinwagen und Ernst möchte wissen, wer ausser ihm noch im Winter mit dem Motorrad unterwegs ist. 

1956 kamen daraufhin 20 Gespannfahrer zu diesem ersten Elefantentreffen. 

1957 kamen bereits 44 Elefanten

1958 sind erstmals auch andere Motorradmarken dabei. 200 Maschinen kamen nach Bad Dürkheim.

1959 sind es 400 Teilnehmer die das Ziel Stadtoldendorf finden.

1960 hat sich das Treffen so herum gesprochen das Teilnehmer aus der Schweiz, Dänemark, Belgien und Holland kamen zum kleinen Feldberg im Taunus. 900 Teilnehmer mit ca. 500 Gespannen kommen dieses Jahr.

1961 übernimmt der BVDM die Organisation des Treffens. Über 1000 Teilnehmer kamen zum ersten Mal zum Nürburgring.

1964 wurden am Nürburgring bereits 2683 Teilnehmer per Strichliste erfasst, die alle zusammen zum Gedenken an getötete Motorradfahrer eine Fackelfahrt über die legendäre Nordschleife unternahmen. Helfer beleuchteten mit selbst gebastelten Ölfackeln den Ring.

1972 bereiteten inzwischen 15.000 Teilnehmer den Organisatoren immer größere Schwierigkeiten

1977 trafen sich 15.000 Teilnehmer plus 25.000 Besucher am Nürburgring. 2000 Personen waren im Festzelt als die Katastrophe ihren Lauf nahm. Bei Randalen löste sich ein Schuss aus einer Polizeipistole deren Querschläger einen 19 Jährigen tödlich traf.

1978 sollte das Elefantentreffen am Salzburgring stattfinden. Sehr kurzfristig wurde die bereits erteilte Genehmigung wieder rufen. Die Nachricht kam zu spät für ca. 400 Elefantentreiber  die sich trotzdem trafen und vom BVDM notdürftig versorgt wurden.

Bis 1988 fanden dann die Elefantentreffen am Salzburgring statt. Wegen unverschämter Forderungen an den BVDM suchte man nach einer anderen Lösung, die man ab 1989 dann im Hexenkessel von Loh fand.

Ab 1989 findet seitdem das Elefantentreffen im Bayr. Wald  im Hexenkessel von Loh statt. Das Gelände ist vom Stock-Car-Club Solla gepachtet. Die Besucherzahl pendelt seitdem je nach Wetterlage zwischen 4500 und 8000. Bewusst verzichtet man seitens des Veranstalters auf große Zelte, damit sich die Geschichte von 1977 nicht wiederholt.   

1989 ohne Festzelt und Bühne feiern 3700 Motorradfahrer das Elefantentreffen. 

1994 der Fackelzug findet schon seit einigen Jahren zu Fuß statt, trotzdem steigert sich die Teilnehmerzahl auf langsam 8000.

1996 ein Feuerwerk zum 40 jährigen Jubiläum bei eisigen Temperaturen feiern ca. 7000 Teilnehmer in friedlicher und entspannter Atmosphäre.

1999 viele Alpenpässe waren wegen starken Schneefall gesperrt. Die Folge war das viele Italiener nicht zum Treffen kamen. Eines der schönsten Elefantentreffen wegen dieser gigantischen Schneekulisse feierten 4800 Teilnehmer. 

2000 Eisregen und Glatteis war es zu verdanken das Loh mehrere Stunden von der Außenwelt abgeschnitten war. 

2001 Schnee bis ins Flachland. Autobahn Sperrungen im gesamten Bundes Gebiet machten die Anfahrten noch schwieriger.

2002 folgte eine Schlammschlacht bei Tauwetter und Plus Graden. Der Kanal in der Arena wurde verstopft und es entstand ein riesiger Teich und viele hatten Ihre Freude daran. 

2003 - 2004  waren schneereiche und somit sehr schöne Treffen mit wie in den letzten Jahren ca. 5000 Teilnehmern. 

2005 wegen schlechten Erfahrungen werden ab diesem Jahr die Quadfahrer ausgeschlossen.

2006 gab es wieder ein sehr schönes Feuerwerk zum 50sten Geburtstag. Das grösste Geschenk war allerdings das Bilderbuch Wetter und Schneemassen wie selten zuvor.

  

(*)Ernst Leverkus auch „Klacks“ genannt, der Vater des Elefantentreffens gilt als eine Motorradlegende. Am 22.12.1922 geboren erlebte er den Krieg als Kradmelder.

1953 schrieb er seinen ersten Testbericht für „Das Motorrad“ und gründete 1974 die Zeitschrift „PS“. Er schrieb alles zum Thema Motorrad in Handbüchern und Standardwerken und man sagte ihm nach, bevor er am 5.Mai 1998 verstarb, das Klacks nicht nur Motorrad fuhr, sondern es auch lebte.
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